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Pongal-                                                Ein Fest unabhängig von Religionen

 

19.01.2018

Schon Wochen bevor das Fest stattfand sprachen gefühlt alle Inder in unserem Umfeld darüber. Sie erklärten uns so gut es ging, wovon es handelt. Vergleichbar ist es mit dem deutschen Erntedankfest. Gemüse und Obst in den Supermärkten wird abgelehnt, stattdessen soll man die Landwirte unterstützen. Selbst in den Predigten in der Kirche wird davon gesprochen. Besonders an Pongal ist auch noch, dass es in allen Religionen gefeiert wird. Das fasziniert mich fast am meisten daran.

 

Ursprünglich plante unsere Schuldirektorin Selvi das Fest am Freitag in der Schule zu feiern. Allerdings beschloss die Regierung einen Tag vorher, dass alle Schulen am Freitag geschlossen sind. Deshalb verschoben wir es schließlich auf den Mittwoch, da Montag und Dienstag auch aufgrund von Pongal Feiertage sind. Das „Problem“ daran war jetzt nur, dass Selli mit ihrem Freund Freitagnacht für 8 Tage auf einen Trip gehen, d.h. ich feierte Pongal alleine und musste mir ein eigenes Programm für die Ferientage aufstellen.

 

Für den eigentlichen Feiertag von Pongal (Sonntag) wurde ich von einer Lehrerin, namens Vimala, nach Hause und zu ihrer Kirche eingeladen. Am Mittag fand ein Programm statt. Mehrere Spiele wurden angeboten, darunter auch eine Rangoli Competition (eine Art Mangala mit buntem Pulver auf den Boden streuen) und Badminton. Am Abend gab es nach einem Gottesdienst mehrere Tanzaufführungen, die wirklich sehr beeindruckend waren. Bis dahin vergnügten wir uns mit dem kleinen Nachbarsmädchen Neega und machten auch noch einen kleinen Mittagsschlaf in Vimalas Haus.

 

Auch den nächsten Tag verbrachte ich mit der Familie und Freunde, da ich mich im Hostel ohne Selli sehr alleine fühle. Auch wenn es nicht wirklich ein Programm war, so hab ich doch sehr die Gemeinschaft genossen. Ich lernte in einer kleineren Straße  Roller zu fahren, ein bisschen indisch zu kochen oder zumindest zu zusehen. Am Abend sind wir noch zur „exhibition“ zusammen gefahren. Man kann es mit einem Rummelplatz vergleichen. Gaaanz viele kleine Läden und auch mehrere kleine Bahnen. Wir hatten einen wirklich tollen Abend zusammen mit sehr viel Spaß verbunden!

 

 

 

Schließlich nahte der Mittwoch herbei und somit die Pongalfeier in der Schule. Ich habe es mir ehrlich gesagt viel besser vorgestellt. Am Morgen half mir Prema, eine Lehrerin meinen Silksari anzuziehen. Dann bereiteten Lehrer, Caretaker und Eltern zusammen das „Pongal“, ein typisches Snack, dass man an Pongal isst zu. Währenddessen malten andere ein größeres Rangoli daneben, mit 3 Zuckerrohrstangen darüber gestellt. Ein Programm war nicht geplant und so saßen alle Kinder, inklusive mir den ganzen Tag rum und langweilten uns. Sicher hatte meine betrübte Stimmung an dem Tag auch damit zu tun, dass ich erneut für eine längere Zeit alleine war. Als der Schultag vorbei war, setzte ich mich noch mit einigen Lehrern zusammen und knabberte an einem Zuckerrohr herum. Dafür brauch man wirklich kräftige Zähne und muss sie hinterher auch sehr gut wieder putzen.

 

Ausflug nach Salem

 06.01.2018

 

Es war das erste Mal, dass ich alleine mit dem „Government bus“ unterwegs war. Zum Glück musste ich nirgends umsteigen und konnte so die 5h Busfahrt entspannt antreten. Ganz so entspannt war ich natürlich nicht, da ich immer um mich geschaut habe, da man ja viele Geschichten über Indien hört. Als ich die Endstation endlich erreicht hatte, war ich sehr müde und musste zu meinem Übel noch über 1h warten bis die beiden Mädels mich abgeholt haben. Eine so lange Zeit an der Bushaltestelle zu warten ist wirklich keine Freude. Alle schauten mich permanent an und viele sprachen mich an, darunter auch betrunkene. Ich habe mich nicht sehr wohl gefühlt und war überglücklich, als die Mädels endlich eingetroffen sind.

 

Der Campus in dem die Zwei leben ist außerhalb von Salem und mitten im Grünen, ganz anders als mein Zuhause. Die Einrichtung ist sehr luxeriös bzw. westlich. Es war echt ein komisches Gefühl eine eigene große zur Verfügung Küche zu haben, deutsches Brot und Kuchen backen zu können, eine eigene Kaffeemaschine zu haben usw. Jedoch ist das ein oder andere auch echt schön zu haben.

 

Mein Silvester gestaltete sich mit einem Gottesdienst auf dem Campus, ein paar Böller und anschließend deutsches Brot mit Nutella naschen. Am nächsten Tag machten wir einen Ausflug zu einem bekannten Berg in Salem mit einem Driver, der uns an verschiedene Aussichtspunkte brachte. Es war leider nicht ganz so aufregend wie wir uns das vorgestellt hatten. Daher, dass es auch sehr neblig war, konnten wir nicht viel erkennen. Wir besuchten auch noch einen Blumenpark, der sehr groß war, aber dafür ziemlich ungepflegt und nur die Hecken, die die Beete abtrennen sahen gut aus. Die Beete selber waren meistens unbepflanzt. Bevor wir uns auf den Rückweg machten, sahen wir uns noch einen Wasserfall an. Dafür mussten wir gaaanz viele Treppen nach unten laufen. Unten angekommen sahen wir viele Inder, die vor der Kamera posten und Männer, die sich in Unterwäsche erstmal ein Bad gönnten. Es war sehr komisch so viel nackte Haut zu sehen. Das ist man hier in Indien nicht so sehr gewöhnt.

 

Am Mittwoch begleitete ich die beiden auf der Arbeit. Es stand erstmal Büroarbeit auf dem Plan. Dort müssen sie unzählige Akten nach Heimen und anschließend nach Kinder ordnen. Nachdem eine Stunde vergangen ist, hieß es Tamil lernen mit einer Angestellten im Büro. Dabei ist mir aufgefallen, dass die beiden Mädels schon deutlich mehr Wörter können, als Selli und ich. Jedoch sprechen sie im Alltag nicht deutlich mehr Tamil. Danach ging es erneut ans Aktensortieren für eine Stunde. Nachdem das dann geschafft war, machten wir uns auf den Weg zu einer Schule, an der die beiden eine kurze Geschichte und eine Gruppenarbeit gestalteten. Zum Übersetzen half ihnen Abraham. Er ist in ihrem Alltag ein ständiger Begleiter und auch eine Art Mentor für sie. Daher, dass am Nachmittag spontan das Programm ausgefallen ist, zeigten die beiden mir nach dem Mittagessen die YMCA Anlage. Dazu gehören unter anderem ein kleines Fitnessstudio, ein Badminton Platz, ein Computerraum und  ein rießiger Raum für Veranstaltungen. Dabei lernte ich auch Mr. Joe, der „General Secretary“ in Salem kennen.

 

Am nächsten Tag, bevor ich mich auf den Weg zurück nach Madurai gemacht habe, begleitete ich Franzi, Johanna und Abraham ins Jugendgefängnis. Einmal in der Woche erzählen die beiden den Jungs eine Geschichte und leiten ein Spiel für sie an. Momentan sind etwa 10-15 Jungs inhaftiert. Man muss jedoch sagen, dass ich mir das Gefängnis ganz anders vorgestellt habe. Es gleicht hier viel mehr einer Einrichtung. Erschreckend finde ich, dass hier so vieles über Korruption veranlasst wird. Wenn die Eltern ihr Kind nicht mehr zurück haben wollen, auch wenn es sich eher um ein kleines Verbrechen handelt, dann bleibt der Junge viel länger sitzen, als er eigentlich muss. Und wenn die Familie oder andere Personen genügend Geld zahlen, dann bekommt man den Jugendlichen sofort wieder aus dem Jugendgefängnis, unabhängig weshalb er da drin sitzt.

 

Ich finde das Projekt in dem Jugendgefängnis richtig gut und bin froh einen solchen Einblick bekommen zu haben. Durch den YMCA Salem bekommen die Jungs eine Chance ihr Leben zu ändern und nicht wieder zurück in die alte Schiene zu rutschen.