--------------------------------------  3 Blogeinträge  -----------------------------------------

 

einfach runterscrollen :)

das Aktuellste steht immer oben

 

Mein Wohlfühlort-Boyshome

 

29.11.2017

Nach langem Nachfragen schafften wir es schlussendlich das Boyshome am Samstag vor dem Zwischenseminar das erste Mal zu besuchen. Das Boyshome ist ein weiteres Projekt vom YMCA (deutsch: CVJM) Madurai. Es ist eine Unterbringung von Vollwaisen, Halbwaisen, bzw. Jungs aus sehr armen Familien. Zurzeit leben 12 Jungs im Boyshome.                                                                                                                                          

 

 Meine Vorfreude an diesem Tag war riesig. Die Fahrt dorthin war etwas länger, als zur Schule, ca. 15-20min. Umso näher wir kamen, desto kaputter und runtergekommener sah unser Weg aus. Durch ein Tor, auf dem „Boyhome“ drauf stand, wussten wir, dass wir das Ziel erreicht hatten. Direkt hinter dem Tor konnte man ein kleines, einfaches Haus (Boyshome) erkennen. Das Dach sah allerdings nicht wirklich wettertauglich aus. Die Sportanlage (Fußballplatz, Cricket, Skating, Badminton, kleines Fitnessstudio, Laufrunde von 300m) des YMCA, die direkt daneben liegt, sahen wir mit Arul (Er wohnt im Boyshome und ist der Secretary vom YMCA Madurai) als erstes an. Dabei lernten wir noch einen Mann kennen, der für die Sportanlage zuständig ist und gleichzeitig mit Rita, einer Lehrerin an unserer Schule, verheiratet ist. Anschließend trafen wir auf die Jungs vom Boyshome. Sie saßen in 2 Reihen auf dem Boden. Wir sollten auf Plastikstühlen gegenüber von ihnen Platz nehmen. Ich kam mir da ziemlich dumm vor. Als würden wir uns über sie stellen, wie eine unsichtbare Distanz. Jeder hat sich erst einmal vorgestellt und anschließend haben die Jungs uns jeder noch eine Frage gestellt. Von Arul haben wir nebenbei noch erfahren, dass die Hälfte der Jungs unsere Vorgänger kennt, während die anderen das erste Mal Weiße sehen. Nachdem sie uns ein Lied („If you‘re happy and you know it“) vorgesungen haben, zeigte uns Arul noch den Nebenraum, in dem ein Schrank mit einem kleinen Fach für jeden steht (die Jungs besitzen echt so gut wie gar nichts), eine kleine Kammer, in der die Schlafmatten gelagert sind (Strohmatten), einen leerstehenden Raum mit Metalhochbetten, bei dem wir nicht verstanden haben, weshalb er nicht benutzt wird und der Waschbereich, der sich draußen hinter dem Haus befindet. Zum Boyshome gehört außerdem noch ein kleines Gebäude, in der sich die Küche befindet. Die Köchin verbringt den ganzen Tag hier und geht abends wieder zu sich nach Hause.

 

Es war schon krass zusehen unter welchen Bedingung die Jungs, Arul und Selvin (Er wohnt ebenfalls im Boyshme und arbeitet im Büro bei uns im Hostel) wohnen. Dennoch sind sie mit dem wenigen, das sie haben glücklich. Vor allem aber haben sie sich über unseren Besuch gefreut und fragten uns sofort, wann wir wieder kommen werden, und ob wir wieder kommen. Wir haben mit großer Freude gesagt, dass wir sie so bald wie möglich wieder besuchen werden.

 

So besuchten wir sie nach dem Zwischenseminar weitere 2 Mal. Anfangs als wir ankamen, waren sie noch beschäftig (am Skaten, Fußball spielen etc.). Somit spielten wir mit Selvin und dem Verwalter der Sportanlage eine Weile Badminton. Es hat so viel Spaß gemacht! Ich vermisse es richtig Sport zu machen. Hier in Indien ist Sport gar kein Thema in der Gesellschaft. Man redet viel darüber, dass der eine dick oder zu dünn ist. Ich habe bisher noch keinen Menschen gesehen, der offensichtlich Sport macht. Daher, dass ich in Deutschland recht viel Sport mache, fehlt es mir umso mehr. Anschließend spielten wir mit den Jungs UNO. Sie waren sehr offen uns gegenüber, fragten uns nach unserem Namen, setzten sich direkt neben uns. Dabei störte es sie auch nicht, wenn sich die Knie berührten oder ähnliches. Es war eine sehr lockere und witzige Atmosphäre! Während Selli mit Selvin und ein paar Jungs weiterhin Karten gespielt hat, fragten mich die Jungs, ob ich mit ihnen Fußball spielen möchte. Schlussendlich haben wir für eine sehr lange Zeit draußen Barfuß gespielt. Sobald ich auch nur den Ball berührt habe, kamen Rufe „super Debbi!“. Ich habe die meiste Zeit besonders einen Jungen, namens Sandosh abgewehrt. Sobald ich angerannt kam, wenn er den Ball hatte und ich ihm den Ball abgenommen habe, sagte er „Oohhhh Debbi!“. Es war echt total witzig mit ihnen. Ich verstehe inzwischen ein paar Wörter Tamil, allerdings konnte ich kaum etwas von ihnen verstehen, was ich sehr schade finde. Trotz der Sprache, haben sie mich mit eingebunden und wie einen normalen Menschen behandelt. Es tut mir einfach so unglaublich gut bei den Jungs zu sein. Die Zeit rennt davon und während ich bei ihnen bin, vergesse ich alles um mich herum. Sie behandeln uns nicht als irgendwelche besonderen Menschen, weil wir Weiße sind, sondern schauen auf unsere Persönlichkeit. Genau das brauchen wir. Es ist nämlich sehr anstrengend, immer und überall nur als Weiße gesehen zu werden.

 

Stand in der Schule

 

27.11.2017

Das Zwischenseminar hat mir einiges an Zuversicht und Motivation in Hinblick auf die Schule gegeben. Vor dem Zwischenseminar sind jegliche Projekte gescheitert, wie zum Beispiel Autoreifen mit Farbe bemalen oder Rasseln mit Kindern basteln. Bei den Reifen war das Problem, dass die Farbe nur mit sehr starken Chemikalien von den Händen abwaschbar ist. Uns wurde das alles nicht so genau erklärt und wir passten nicht genügend auf die Kids auf, die hinterher komplett mit Farbe vollgeschmiert waren, inklusive Kleidung. Es bereitete den Kindern und uns insgesamt nicht wirklich Freude.

Nach dem Seminar starteten wir allerdings mit der Vorbereitung für das Weihnachtsfest in der Schule, das zwischen dem 10. Und 15. Dezember stattfindet. Jetzt fragt ihr euch sicherlich, warum denn so früh? Das liegt daran, dass die Kinder ihre Prüfungen in der Woche danach schreiben. Anschließend sind bis zum 2.Januar Ferien.                                                                         

Zusammen mit den Kids und Jennifer (Kunstlehrerin) fingen wir an Girlanden aus bunten Papier und Sterne zu basteln. Außerdem sind wir gerade dabei ein Weihnachtslied auf Tamil mit ein paar Kindern einzustudieren.

Neben den Weihnachtsvorbereitungen habe ich mir generell überlegt ein Kind speziell und ganz individuell zu fördern. Nun habe ich einen kleinen Jungen, namens Sasikumar ausgesucht, den ich nun intensiv beobachte und Lehrern Fragen über ihn stelle. Vermutlich fange ich nach der Weihnachtsfeier damit an.

Daher, dass ich jetzt gerade Aufgaben habe, fühle ich mich in der Schule sehr wohl. Auch zu den Kindern und Lehrern habe ich einen immer besseren Draht. Klar, es ist und bleibt herausfordernd, doch dafür erlebt man umso besondere Momente. Allerdings hoffe ich, dass es sich nach der Weihnachtsfeier nicht ins Negative verändert, da unsere Vorbereitungen dann enden. Ich hoffe sehr dass wir auch danach unsere festen Aufgaben haben bzw. sie finden werden.

 

 

Zwischenseminar in Tranquebar

 

13.-18.10.2017 

Nun war es auch schon wieder soweit und ein weiteres Seminar stand auf dem Plan. Obwohl es Zwischenseminar heißt und normalerweise in der Mitte des Freiwilligendienstes stattfindet, hatten wir es nach 2 einhalb Monaten Indienaufenthalt. Das lag allerdings daran, dass wir es mit anderen Organisationen zusammen hatten. Geleitet wurde es von einer Frau und einem Mann von der Organisation ELM (Evangelisch Lutherisches Missionswerk Leipzig)

 

Unsere Hinreise (und Rückreise) traten wir in einem „sleeper bus“ (ganz viele Betten in einem Bus) an. Erwartet hatten wir einen sehr klapprigen, unhygienischen Bus. Jedoch trat genau das Gegenteil ein: Der Bus war sehr luxuriös und bequem ausgestattet. Unsere 9h Fahrt konnten wir also ohne Bedenken antreten.

 

Der Ort Tranquebar oder auch Tharangambadi genannt, ist ein sehr kleiner Ort (2.000 Einwohner) direkt am Meer. Vorerst sah alles ziemlich verlassen aus und wir hatten Schwierigkeiten unsere Unterkunft zu finden.  Nach einigem Hin-und Herlaufen richteten wir jedoch erfolgreich unser Schlafquatier ein.  Für alle 18 Freiwilligen standen uns 2 Schlafsäle mit jeweils 12 Betten zur Verfügung, inklusive Badkabinen. Es war sehr einfach, aber vollkommen ausreichend eingerichtet.

 

Gegliedert wurde das Programm in Reflexion, Bestandsaufnahme und Ausblick bzw. Pläne. Das verrichteten wir hauptsächlich in Gruppen- bzw. Einzelarbeit, um uns besser damit auseinander setzen zu können und gleichzeitig einen Austausch mit anderen Freiwilligen in Indien zu haben. Dadurch haben Selli und ich neue Inspirationen und Motivation bekommen.                                                                                                                                                                     In unserer freien Zeit genossen wir das Meer, sammelten Muscheln, führten gute Gespräche und gönnten uns ein Eis oder Kokosnuss. An unserem letzten Tag überraschten uns schließlich unsere Leiter mit einem „Ausflug“ zum Hotel, dass nur ein paar Meter von unserer Unterkunft entfernt war, um in den Pool zu springen und gemeinsam leckeres, indisches Essen zu genießen.

 

Selli und mir hat die Gemeinschaft mit anderen Deutschen sehr gefallen. Allerdings war es anfangs auch komisch mit so vielen Personen Deutsch zu reden. Man musste wieder lernen vorsichtig zu sein, was man laut ausspricht. Dennoch fühlte es sich schön an, ein Stück Heimat zu haben. Durch so eine große Gruppe war man nicht „alleine“ umgeben von Indern, sondern konnte etwas mehr von seiner eigenen Kultur ausleben. Damit meine ich Gespräche, Spiele oder dass man sich wieder etwas mehr als Deutscher verhalten konnte.

 

Zusammenfassend kann man sagen, dass das Seminar sehr, sehr schön war und ich es gerne wiederholen würde. Die Leute, das Essen, das Programm und das Meer waren echt toll!