--------------------------------------  3 Blogeinträge  -----------------------------------------

 

einfach runterscrollen :)

das Aktuellste steht immer oben

 

Etwas mehr indische Kultur...

 

31.10.2017

Der Watchman unserer Schule erzählte Selli und mir stolz von seiner hochschwangeren Tochter, die in den kommenden Tagen aufgrund der Schwangerschaft eine Feier veranstaltet. Von den Lehrern erfuhren wir, dass es Brauch ist 1 Monat vor der Austragung des ersten Kindes alle Bekannten, Freunde und Familie einzuladen und es zu feiern. Zunächst waren wir nicht sicher, ob wir auch dazu eingeladen sind. An dem Tag der function fragten wir spontan Selvi, die Schuldirekorin, ob wir sie begleiten dürfen. Kurze Zeit später machten wir uns gemeinsam mit einigen Lehrerinnen und Caretakerinnen auf den Weg zu ihrem Haus. Dabei quetschten wir uns jeweils zu 10. in eine kleine Riksha. Das Haus war recht klein und einfach eingerichtet. Ein typisch indisches Haus. Bevor dem Eintritt in das Haus, ziehten wir unsere Schuhe aus, was Respekt in der indischen Kultur vermittelt. Die hochschwangere Inderin war im Gesicht mit viel Farbe angemalt und trug sehr viel Schmuck, vor allem Glasarmreifen. Auch uns wurde Farbe angeboten, die man sich auf die Stirn oder am Halsende beim Schlüsselbein hinstreicht. Außerdem bekam jeder 2 Glasarmreifen geschenkt.                                                                                                

 Zunächst saßen wir im „Wohnzimmer“ auf dem Boden und unterhielten uns mit den Hauptpersonen. Für Selli und mich war es nicht ganz so toll, da wir nichts verstanden. Bei Nachfragen erklärten sie uns nur das Thema und sonst nichts. Wir konnten nur dasitzen und mit lachen, auch wenn nicht wussten um was es geht.                                                                                                                                   

Anschließend ging es eine schmale, steile Treppe zur Dachterrasse hoch. Dort wurde für alle ein Mittagessen spendiert, das man im Schneidersitz (wie immer) auf einem Palmenblatt genießen konnte. Es gab reichlich viel zu essen. Als wir fertig waren, ging es wieder runter zur Verabschiedung. Dabei gibt man der Frau etwas Geld und bekommt noch eine kleine Tüte mit einem kleinen Geschenk (Farbe, Glasarmreigen und eine Blume auf einem kleinen Metallteller)

 

An sich hat uns dieser Ausflug sehr gut gefallen. Allerdings gab es mehrere unsichtbare Verhaltensregeln, die Selli und ich nicht kannten und falsch gemacht haben. Zum Beispiel wollte ich dem Mann das Geld in die Hand drücken. Er nahm es allerdings nicht an, was ich nicht verstand. Als wir ankamen, nahm er auch Geld von den Besuchern zuvor an. Das war mir dann etwas unangenehm, aber gehört meiner Meinung nach dazu. Woher sollen wir wissen, was man machen darf und was nicht. Mit vollem Bauch und voller neuen Eindrücken machten wir uns schließlich wieder auf den Weg zur Schule.

 

Schwierige Integration

 

25.10.2017

In der Schule fällt es mir nach wie vor schwer reinzukommen. Während ich in der Schule bin, zieht sich die Zeit wie ein unendliches Gummi. Mit den Kindern und Lehrern ist es schwer zu kommunizieren. Während dem Mittagessen sitzen die Lehrer und wir in einem Kreis auf dem Boden und sie unterhalten sich angeregt. Wir sitzen einfach nur da und verstehen nichts. Auch, wenn wir nachfragen, kommt nur eine grobe Zusammenfassung. Wir sind einfach kein Teil von ihnen und nicht integriert. Auch mit den Kindern bin ich noch nicht ganz warm geworden. Ich bekomme momentan in der Schule das Gefühl vermittelt, dass es total egal ist, ob ich da bin oder nicht. Ich bin wie die Luft. Ich bemühe mich wirklich sehr mehr in Kontakt mit allen Personen an der Schule zu kommen. Immer wieder stoße ich jedoch auf eine Art unsichtbare Mauer, die meine Kraft schwinden lässt. Ich bete daher sehr viel zu Gott. Ich verstehe momentan einfach nicht, was ich hier mache und warum er mich hierher gesandt hat. Er antwortet mir jedoch immer mit „Vertraue mir! Ich bin bei dir. Schon bald wirst du sehen, was ich sehe. Ich habe großes mit dir vor. Du bist aus einem Grund hier.“ Auf einer Seite versuche ich ihm die völlige Kontrolle abzugeben. Das ist allerdings einfacher gesagt, als getan.

 

Hauptsächlich kümmerten wir uns daher um die Kerzen, die nach Deutschland verschickt werden. Ehemalige Volontäre gaben bei uns ihre Bestellung auf. Das hat uns immerhin einen Sinn in dieser Zeit gegeben, eine Aufgabe. Außerdem begleiteten wir Vimala (Sie ist für die Kerzen zuständig) zu einem Kerzenverkauf an einer anderen Schule. Als uns die Schüler sahen, stürmten sie herbei und umringten uns sofort. Alle wollten mit uns sprechen, uns ausfragen. Es war ein tolles Gefühl, sich nicht wie Luft zu fühlen. Auch mit dem leitenden Priester unterhielten wir uns sehr nett. Nach einiger Zeit waren wir allerdings froh, als wir zurück gefahren sind. Es war auch sehr anstrengend.

 

Ein weiter schöner Tag war der Ausflug mit der mentally challenged school zu einem kleinen Freizeitpark, der 2 Tage nach den Diwaliferien stattfand. Es gab mehrere kleine Bahnen, die wir zusammen mit den Kindern gefahren sind. Es war echt ein riesen Spaß! Zum Abschluss sind die Lehrer, Selli und ich ein Mini- Riesenrad gefahren, dass uns eine Menge Adrenalin in den Körper gepumpt hat. Von außen sah alles so harmlos aus, allerdings war es genau das Gegenteil. In den kleinen Körbchen konnten nur 2 Personen sitzen und zwar genau gegenüber. Wenn man die Balance nicht hält, kippte es zur Seite. Daher, dass man auch keinerlei Sicherung hatte, machte es die Fahrt umso verrückter. Nach dem Mittagessen spielten die Kids schließlich noch eine Weile auf dem Spielplatz.

 

Das Lichterfest

 

 19.10.2017

Diwali (oder auch Deepawali) ist ein sehr bedeutendes und wichtiges Fest in Indien. Jedes Jahr wird es über mehrere Tage gefeiert. In unserer Schule wurde die Feier schließlich am 16.Oktober ausgeführt. Selli und ich haben uns am Wochenende zuvor extra einen Sari (typisch indisches Kleid, dass hier so ziemlich jeder trägt) gekauft-unser erster Sari. Angekleidet wurden wir am Morgen von den Lehrerinnen, da es ziemlich kompliziert ist und wir sicher noch sehr lange brauchen werden, um es jemals selbst machen zu können. Doch auch die Kinder haben sich an dem Tag alle sehr schick gekleidet und man bewunderte sich gegenseitig. Alle waren besonders glücklich an diesem Tag. Zur Mittagszeit kamen noch Sponsoren zu Besuch, die Kleidung und Gegenstände für die Kinder schenkten, nachdem sie ihre Reden gehalten haben.

 Im Hof haben wir am Nachmittag zusammen Böller hochgelassen und Wunderkerzen angezündet. Das war jedoch nicht so eine sichere Angelegenheit. Die Inder fanden es alles sehr witzig, sahen allerdings keine Gefahr darin. Man muss immer bedenken, dass behinderte Menschen sich nicht im Klaren sind, wie sehr man mit Feuer aufpassen sollte und es kein Spielzeug ist.

 Anschließend sammelten sich fast alle in der Common-Class, in der Musik abgespielt wurde und Lehrer, Schüler, sogar Mütter tanzten. Es war echt eine schöne und amüsante Atmosphäre!

 Die nächsten 3 Tage hatten wir alle aufgrund von Diwali schulfrei. Am ersten freien Tag sollten wir unser Hostel nicht verlassen, da so  viel auf den Straßen los ist. Kurz vor Diwali bekommt man alles viel billiger zu kaufen und das lässt sich natürlich keiner entgehen. An den anderen beiden Tagen waren die Straßen im Gegensatz dazu jedoch komplett leer und auch die Läden waren alle geschlossen. Von ganz viel Krach und Böllern in der ganzen Stadt erschien plötzlich komplette Stille.

 Nun sollte ich euch aber noch etwas genauer über Diwali allgemein erzählen. Als wir unsere Inder-Freunde dazu befragten, konnten sie uns nicht wirklich erklären, warum es gefeiert wird und was dahinter steckt. Wir fanden es auch sehr merkwürdig, dass manche Christen Diwali gefeiert haben, während andere meinten „Nein, ich bin Christ, ich feiere Diwali nicht!“                                               

Somit habe ich mich im Internet darüber etwas informiert.

 Diwali ist die Abkürzung für Deepawali und heißt übersetzt „Lichterschwarm“. Es ist ein bedeutendes, mehrtägiges, hinduistisches Fest in Indien. Die Tradition besagt, dass alte Lampen weggeworfen werden und durch neue ersetzt werden. Denn die neuen Lampen helfen, laut des hinduistischen Glaubens, den Toten den Weg ins Nirwana (=ein buddhistischer Schlüsselbegriff, der den Austritt aus dem Samsara, dem Kreislauf des Leidens und der Wiedergeburt, durch Erwachen bezeichnet) zu finden. Die Festlichkeiten zum Diwali stehen aber auch in Verbindung mit Lakshmi, der Göttin des Wohlstands. Die Legende besagt, dass die Göttin nur die Häuser besucht, die sauber, ordentlich und mit vielen Lichtern in Form von Öllampen, Kerzen oder Lichterketten geschmückt sind. Innerhalb von Indien hat Diwali allerdings eine unterschiedliche Bedeutung. Für alle ist es jedoch ein Freudenfest und man feiert den Sieg über das  Böse.