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Die Zeit der Eingewöhnung

23.09.2017

 

Zuerst einmal: Es tut mir sehr leid, dass ich schon 3 Wochen nichts mehr geschrieben habe. Die letzten Wochen waren nicht sehr einfach für uns und haben sehr viele Emotionen mit sich gebracht.

 

Nach unserer ersten Besichtigung der Schule, stand eine weitere bei der Schule für hearing-impaired (Gehörlose) an. Das Gebäude ist um einiges größer und erschien uns freiräumiger. Rega begleitete uns und führte uns umher, damit wir auch hier einen kleinen Eindruck gekommen. Geplant war es, dass wir einmal in der Woche den Lehrerinnen dieser Schule Englisch beibringen sollen, allerdings ist es bisher bei diesem einen Besuch geblieben.

 

In den nächsten Woche setzten wir uns in den Unterricht in der mentally challenged School rein. Wir sollten uns von dem Unterricht ein Bild verschaffen, die Lehrer und Kinder besser kennenlernen, um uns später gut einbringen zu können.

An meinem ersten Tag, saß ich bei kleineren Kindern im Unterricht, wobei man es nicht wirklich Unterricht in dem Sinne nennen kann. Es schockierte mich, dass die Kinder einfach irgendwelche Spielzeuge hingelegt bekommen oder Hefte, die sie ausmalen sollen. Zwischendrin saßen sie auch 20min nur so da ohne irgendetwas zu machen. Wenn ich da an den deutschen Unterricht denke, auch in Hinblick auf körperlich und geistig Behinderte, ist das eine enormer Unterschied. ich hatte das Gefühl, dass die Kinder nicht entsprechend gefördert werden und das machte mich sehr traurig. Einige von ihnen haben großes Potential!

 

Während dieser uns nächstes Woche schaute ich mir auch noch verschiedene Klassen an, unterhielt mich mit den Lehrern (die einigermaßen gut Englisch sprechen) und fing an nach und nach zu verstehen, dass es den Kindern eine solche Freude bereitet hier zu sein. In ihrem Zuhause bekommen sie nicht diese Aufmerksamkeit und "Förderung", die sie in der Schule haben. Außerdem verbringen sie Zeit mit ihres gleichen, was echt sehr viel wert ist! 

 

Diese Woche widmeten wir uns einer Aufgabe, die uns Shamila gegeben hat. Jedes Jahr werden Weihnachtskarten, die von den Kindern gemacht werden an Deutschland verkauft. Die Voluntäre überlegen sich dazu immer Motive, zeichnen die Umrisse, während die Kinder es bunt ausmalen.  Auch wenn die Zeit dabei nicht immer ganz so schnell verging und es anstrengend war, so hatte man eine Aufgabe und fühlte sich nicht überflüssig. Hilfe bei den Karten bekamen wir außerdem von Jennifer. Sie ist für den Kunstunterricht in der Schule zuständig. Schnell freundeten wir uns an und unterhalten uns immer sehr gerne, wobei wir jetzt schon sehr viel über sie erfahren haben.

Die kommende Woche haben die Kinder und wir Ferien. Geplant haben wir von Montag bis Mittwoch einen Trip nach Kodaikanal. In den restlichen Tagen werden wir einige Tamilunterrichtsstunden von Rega bekommen und uns Gedanken zu unserem Projekt machen, dass wir nach den Ferien mit den Kindern starten wollen.

So viel erstmal zu unserem Aufenthalt in der Schule.

 

In der Schule konnten wir nicht wirklich regelmäßig erscheinen, da unsere Gesundheit immer wieder dazwischen fiel. Noch weitere 3 mal mussten wir ins Krankenhaus. Ein Aufenthalt davon war so krass, dass ich mich seitdem, so lange wie es irgendwie möglich ist, weigere dort behandelt zu werden. Ich begleitete an dem Tag einer meiner Mitvolis. Der richtige Arzt für uns war nicht anwesend und wir wurden von den Krankschwestern rumgescheucht. Irgendein Arzt, den wir nicht mal zu Gesicht bekamen beschloss, dass meine Mitvoluntärin 3 große Injektionen bekommen sollte. Diese wurden von den Schwestern so brutal und an den komplett falschen Stellen eingeführt, dass  mein Herz vor Schmerzen mit zerriss. Es war ein grauenhafter Aufenthalt und sitzt uns beiden (besonders ihr natürlich) noch tief unter der Haut!  

Über das letzte Wochenende kam bei uns allen 3 eine Erkältung dazu, die vermutlich an dem etwas feuchteren Klima derzeit liegt.

 

 

Nun möchte ich euch noch ein wenig über mein persönliches Wohlbefinden erzählen zu dem bisherigen Aufenthalt in Indien. Passend dazu ist der kurze Textauszug aus einem Magazin:

"Indien ist kein leichtes Land. Faszination und Irritation liegen nah beieinander. Weniger verstanden als gesehen ist nicht selten das Ergebnis einer Indienreise."

 

Ich habe meinen damaligen Aufenthalt in Indien als so schön empfunden und mich sehr auf Indien gefreut. Seitdem ich nun hier bin kommen des Öfteren Zweifel in mir hoch und ich verstehe nicht, warum ich eigentlich hier bin. Es ist so schwierig in die Kultur einzutauchen und es zu verstehen. Ich frage daher manchmal auch Rega oder andere Inderinnen, doch für sie selbst ist es schwierig es uns zu erklären. Es scheint alles komplett anders zu sein als in Deutschland. 

Bei mir ist zum Beispiel die Frage aufgekommen, was für eine Arbeit die Inder hier überhaupt haben. Im Office gibt es einen jungen Mann namens Kumar, den man nie arbeiten sieht. Er redet mit allen Angestellten, bringt vielleicht mal den Tee oder Kaffee, aber hat keine wirkliche Arbeit in dem Sinne. Wenn man da jetzt die Arbeit in Deutschland daneben vergleicht ist seine Arbeitskraft eine überflüssige Geldverschwendung. 

Außerdem braucht man hier wirklich sehr viel Geduld. Wir müssen den Indern ständig hinterher laufen, da sie immer wieder vergessen uns zum Beispiel den Wasserkanister zu bringen. Bei manchen Angelegenheiten ist das wirklich nervenraubend...

 

Doch all diese schwierigen Momente muss ich zum Glück nicht alleine durchstehen und bin so froh darüber, dass Anna und Sellina bei mir sind. Wenn uns das alles hier mal wieder über den Kopf wächst und wir am liebsten nach Hause fliegen wollen, stärken wir uns gegenseitig und geben uns Kraft. Oftmals lachen wir einfach über diese Kultur und sagen uns "Die Inder schon wieder". Mit diesem Humor fällt es mir auch viel einfacher das Geschehen durchzustehen.

 

Ein etwas anderer Start...

04.09.2017

 

Wow, schon eine Woche leben wir 3 Mädels mitten in der indischen Kultur. Anders wie unsere Vorgänger hatten wir jedoch einen echt durchwachsenen und chaotischen Start. Doch alles der Reihe nach:

 

Vor genau einer Woche machten wir uns auf dem Weg zum Flughafen und somit auf den Weg einer langen Reise. Voller Aufregung, aber auch mit einem mulmigen Gefühl verabschiedeten wir unsere Liebsten mit so manchen Tränen. 

Mit einem Umstieg und einem weiteren Stopp in Mumbai, kamen Selli, Anna und ich 21h später in Madurai an. Erleichtert nahmen wir unser Gepäck vom Band, machten uns im Bad rasch etwas frisch und eilten Richtung Ausgang, um unsere zukünftige Mentorin, Indien-Mama, Seelsorgerin oder als wen auch immer sie uns betrachten wollen, namens Shamila endlich zu sehen.

 

Eingehüllt in einem quitschgrünen Saree und mit einem strahlenden Gesicht kam sie uns entgegen und nahm uns alle 3 erstmal in den Arm. Während der Driver unsere vielen Gepäckstücke in das dafür zu kleine Auto quetschte, wurden wir von Shamila und der Schuldirektorin der geistig behinderten Kinder, mit Blumenketten geschmückt.

Die erste Fahrt auf indischen Grund war sehr chaotisch! Ganz wichtig: Niemals die Ruhe verlieren und immer ganz locker den anderen aus dem Weg gehen. Als Fahrer, sowie aus Fußgänger. Das Hupen ist anfangs erstmal sehr irritierend, doch auch das hat für die Inder eine wichtige Bedeutung: Damit gibt man an, dass man abbiegt oder dass andere einem aus dem Weg gehen sollen. Das Hupen kann man wirklich den ganzen Tag ununterbrochen hören. Während der Fahrt schnallt man sich auch nicht an wie in Deutschland. Außerdem sind Autos nicht ganz so häufig zu sehen, wie Rikshas oder Roller. Interessant ist dabei, dass Indien deutlich weniger Verkehrsunfälle hat im Gegensatz zu Deutschland.

Was in Deutschland auch nicht alltäglich ist sind definitiv Kühe, die mitten auf der Straße oder am Rand gemütlich vor sich her trotten, ohne auch nur eine Schramme abzubekommen.

 

Angekommen in unserem neuen Zuhause lernten wir als erstes die Office-Leute kennen, die uns mit einem herzlichen Lächeln und einem wackelnden Kopf begrüßten. Anschließend zeigte Shamila uns unser Zimmer, dass wir für die nächsten 8 Monate zu dritt teilen werden. Zu dem Schlafraum mit den Betten, einem recht großen Spiegel und einem sehr kleinen Schrank, gehört außerdem ein einfaches Badezimmer dazu. 

Noch völlig übermüdet packten wir unsere Koffer aus und schmückten das Zimmer mit persönlichen Bilder. Währenddessen hörten wir des Öfteren ein sehr schrillender Ton in unserem Zimmer, der uns immer einen kalten Schauer über den Rücken laufen ließ.

Erst am nächsten Tag erfuhren wir, dass das eine Zimmerklingel sein soll.

 

Gegen Abend aßen wir mit Shamila und Selvi (Schuldirektorin) zusammen unser erstes indisches dinner. Typisch ist Reis, Gemüse, Chapathi (eine Art Fladenbrot) und Daal (eine Art Soße für den Reis und das Chapathi). Dabei muss man darauf zu achten mit der rechten Hand zu essen und diese wie eine Schaufel zu formen und das Essen mit dem Daumen dann zum Mund führen. Am Anfang stellt man sich da wirklich etwas ungeschickt an ;) 

 

Hier ein paar Bilder für euch, um von dem bisherigen Erzählungen einen besseren Einblick zu bekommen:

 

 

Ganz bald war es schon wieder dunkel und wir schliefen auf den etwas harten Matratzen ein. Doch mitten in der Nacht gegen 1 Uhr (indische Zeit) bemerkten wir, dass eine unserer Mitvoluntärin sich übergeben musste. Vollkommen überfordert mit der Situation brachten wir sie schließlich ins Krankenhaus, bzw. zuerst zu einem Doktor, der sie allerdings mit einem "Krankenwagen" in das nächst größere und teuere Hospital einliefern ließ. Die Fahrt dorthin entpuppte sich als das reinste Abenteuer! Allerdings nicht für unseren Patienten, da der Wagen so stark runtergekühlt wurde, dass sie total fror, ihr übel war und einfach nur hoffte nicht als Leiche dort anzukommen.  Auf dem Weg dahin und auch später versuchten die beiden Angestellten vom YMCA und ich Shamila zu erreichen, doch ohne Erfolg...

 

Schließlich wurde unsere Patientin stationär aufgenommen und wir kehrten zum Hostel gegen 5 Uhr morgens zurück. 

Nach ein paar Stunden Schlaf ging ich schließlich alleine ins Hospital, da meine andere Mitvoli vor Schlafmangel Kreislaufprobleme bekam. Meinen Vorstellungen nach, wären wir gleich wieder zurück ins hostel gefahren, doch da machten mir die Inder einen Strich durch die Rechnung. Erst nachdem wir unter vielen Umständen das mit der Versicherung klären konnten und wir auf den Doktor warteten (der schlussendlich gar nicht aufgetaucht ist) durften wir gegen 15.30 Uhr das Krankenhaus verlassen.

 

In den nächsten Tagen besserte sich ihre Gesundheit zum Glück! Obwohl sich das besserte, war es für beide meiner Mitvolis mehr oder weniger sehr schwierig hier mental anzukommen. Heimweh tauchte in starken Zügen auf, das Gefühl hier nicht herzugehören- oder einfacher gesagt Kulturschock machte sich breit. Mir persönlich machte zum Glück weder das Essen, noch der Kulturschock zu schaffen. Vermutlich liegt das einfach daran, dass ich bereits in Indien war. Jedoch mit Ausnahme von dem Klima-  36- 38 °C sind wir einfach nicht gewohnt! 

 

Donnerstag und Freitag war Shoppen angesagt. Uns begleitete dabei Rega, eine der Office Worker. Sie ist eine sehr liebe und vertrauenswürdige Inderin. Seit unserer ersten Begegnung habe ich sie schon sehr in mein Herz geschlossen!

 

Sonntagabend besuchten wir einen englischen Gottesdienst, eingekleidet mit unseren ersten Chuditars (so nennt man die indische Kleidung: eine Art Tunika Bluse mit einer lockeren Hose und einem Tuch vor der Brust) und unserem neuen Schmuck. Der Pfarrer begrüßte uns herzlich mit den Worten "Guten Tag". 

Nach dem Gottesdienst unterhielten wir uns mit einigen Leuten. Heraus kam, dass manche von ihnen bereits in Deutschland waren und es als "Wunderland" ansehen. So sauber, so rein und wunderschön, egal wohin man reist.

 

Am nächsten morgen machten wir 3 uns auf den Weg zu einer Morgenandacht der ganzen YMCA- Angestellten, die allerdings auf Tamil war. Netterweise hat Arul (ebenfalls ein Angestellter vom YMCA) mitgeschrieben, sodass Shamila uns die Andacht ein anderes mal übersetzen kann.

 

Ganz spontan hieß es nach der Andacht, dass wir nach dem Mittagessen im Hostel die Schule für geistig behinderte Kinder besuchen gehen. Unsere Hauptaufgabe während dem Voluntariat besteht darin uns in dieser Schule einzubringen. Aus diesem Grund war ich sehr gespannt und auch ein bisschen aufgeregt, als wir uns mit der Riksha auf den Weg dorthin gemacht haben. Dort angekommen begrüßte uns Selvi und noch 2 weitere Lehrerinnen.  Nach einem kurzen Gespräch und Übergabe einer Rose, stellte sie uns jeder Klasse und deren Lehrerin bzw. auch Caretaker (auch Sozialarbeiterin genannt) vor. 

 

Ehrlich gesagt habe ich etwas komplett anderes erwartet und war nach der Besichtigung ziemlich enttäuscht. Man hat neben den Kids auch die Projekte der Ehemaligen gesehen und fragte sich, was können wir hier überhaupt noch tun? Auf den ersten Blick sah es nicht so aus, als ob die Lehrerinnen unsere Hilfe nötig hätten. Ich fühlte mich total fehl am Platz und unbrauchbar.

Nach einem Gespräch mit Shamila und nach einem ausführlichen Gebet zu Gott, kam ich jedoch zu dem Entschluss dem ganzen eine Chance zu geben. Schließlich würde Gott mich nicht so weit weg von Zuhause schicken, wenn er mich nicht genau an diesen Flecken Erde gebrauchen kann.